Realtalk: Was kostet mich die Eigenregie?

16.12.2025

Pferdehaltung ist in den letzten Jahren immer teurer geworden. Die Einstellgebühren und auch die Tarife für Schmied, Tierärzte und andere Dienstleister rund ums Pferd sind heftig gestiegen. Das war mitunter auch ein Grund warum ich in die Eigenregie gewechselt bin. Ich war einfach nicht mehr zufrieden in der Pensionspferdehaltung und war daher auch nicht bereit die steigenden Kosten zu akzeptieren. Ich musste aber zu Hause erstmal in den Stallbau investieren. Das hat ordentlich Geld verschlungen. Mittlerweile halten sich die Kosten aber halbwegs im Rahmen obwohl ich jetzt sogar zwei Pferde zu erhalten habe.

Investitionsskosten sind hoch

Je mehr Eigenleistung umso günstiger der Bau
Je mehr Eigenleistung umso günstiger der Bau

Gerade in den ersten 2 Jahren in der Eigenregie hatte ich ordentliche Ausgaben zu stemmen. Mein Stall wurde neu gebaut. Der Auslauf musste befestigt werden. Das ganze Equipment für Weide und Stall musste neu angeschafft werden. Das war eine ordentliche Summe Geld die anfangs zu berappen war. In etwa 35.000 Euro musste ich investieren. Die Summe konnten wir dadurch klein halten, weil wir sehr viel Eigenleistung im Stallbau hatten. Auch das ganze Bauholz kam aus unserem Wald. Hätte man sich das Ganze bauen lassen, hätte man wohl locker mit der doppelten Summe rechnen müssen. Dafür kann man schon gut und gerne ein paar Jahre Stallmiete bezahlen. Dafür ist man zu Hause sein eigener Herr und kann sich die Dinge so richten wie man es gerne möchte. Alles was ich im ersten Moment im Stall nicht gebraucht habe, habe ich mir nach und nach in den Monaten nach dem Einzug Stück für Stück angeschafft. Da hatte ich mir einen Plan zurecht gelegt wann ich mir welches Teil kaufe. Dringende Dinge wurden vorgereiht, weniger dringende habe ich mir erst später erfüllt. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich alles was ich so langläufig für die Pferdehaltung brauche, mittlerweile habe.

Die Stallmatten kamen erst nach 1,5 Jahren
Die Stallmatten kamen erst nach 1,5 Jahren

Im Moment muss ich also nur die laufenden Kosten und die sind bei mir relativ gering, weil ich das große Glück habe, dass eigentlich alles an Grundfutter, Einstreu, Strom, Wasser und Versicherungen über unsere Landwirtschaft mitläuft, berappen. Das Ganze ist nicht ganz kostenlos; ich arbeite jeden Tag für den Unterhalt meiner Pferde auf unserem landwirtschaftlichen Betrieb. Um etwas kalkulieren zu können was es normalerweise kosten würde kann ich auf alle Fälle sagen, dass ich im Monat vier Heuballen brauche, in der Weidesaison sind es etwas weniger. Da sind es vielleicht drei oder zweieinhalb Ballen. Als ich noch mit Stroh eingestreut habe war es ein Rundballen Stroh im Monat, mittlerweile habe ich Hobelspäne von einem benachbartem Zimmerreibetrieb die ich mir günstig holen kann. Wasser, Strom und Versicherungen und Kraft- und Zusatzfutter würden dann noch dazu kommen wenn man alle Kosten rechnen würde. Natürlich bricht mal wieder was und man muss Gebrauchsgegenstände erneuern. Da macht es Sinn auf gute Qualität zu achten. Bei der Weidezaunlitze habe ich das schon zu spüren bekommen. Die vom ersten Jahr ist bereits hinüber. Damals habe ich bewusst gespart weil nach dem Stallbau einfach wenig Geld übrig war und die wirklich guten Litzen ordentlich Geld kosten und mit einer Rolle kommt man da nicht weit.

Was habe ich für Kosten?

Zugfahrzeug und Hänger gehen ins Geld auch wenn sie gebraucht sind
Zugfahrzeug und Hänger gehen ins Geld auch wenn sie gebraucht sind

Da ich zu Hause derzeit keinen ordentlichen Reitplatz zur Verfügung habe bin ich auch auf ein Zugfahrzeug sowie den Hänger angewiesen. Beides muss ich mir selber finanzieren und ich bin in einer Vereinsreitanlage in der Nähe eingemietet wofür ich natürlich Benutzungsgebühr bezahlen muss und Arbeitseinsätze machen muss. Natürlich hätte ich irgendwie irgendwann noch gerne einen Reitplatz. An der Finanzierung würde es derzeit nicht scheitern. Eher an der Bereitschaft meiner besseren Hälfte dafür noch eine Fläche abzuzwacken. Ein Reitplatz für zwei Pferde wäre natürlich purer Luxus und vielleicht auch ein kleines Stückchen unnötig. Das muss ich durchaus zugeben weil in vier Kilometer Entfernung eine tolle Reitanlage vorhanden ist die ich eben gegen Gebühr nutzen kann und weil ich zu Hause oft unsere abgemähten Wiesenfläche nutzen kann zum Reiten sowie mein kleines Paddock. Was ich natürlich auch bezahlen muss ist das Kraft- und Zusatzfutter, sowie den Tierarzt, Hufschmied, und sämtliche andere Dienstleister, so wie die meisten anderen Pferdebesitzer auch. Dabei erschreckt es mich, dass gerade die Dienstleister rund ums Pferd (Hufschmied, Tierarzt usw.) auch jährlich ordentlich teurer werden. Bei gewissen Dingen kann man natürlich nicht aus; Hufe und Zähne müssen gemacht werden. Bei anderen Dingen überlege ich teilweise schon sorgfältig ob das jetzt wirklich nötig ist.

Ich bin froh früh genug den Absprung geschafft zu haben und die Pferde zu Hause gesund und kostengünstig halten zu können. Im Großen und Ganzen halten sich meine Kosten derzeit halbwegs in Grenzen und ich muss nicht mehr jeden Euro drei mal umdrehen. Auch unser Equipment konnte ich im letzten Jahr wieder gut auf Vordermann gebracht. Die Zeit rund um den Stallbau hatte ich wenig Reserven um neues Zeug zu kaufen. Da kauft man wirklich nur das Allernotwendigste. Man muss aber auch ehrlich sein; man braucht auch nicht jedes Jahr drei neue Schabracken und zwei neue Reithosen. Zu Hause sieht man die neuen Kollektionen der Firmen bei anderen Einsteller auch nicht und kommt somit weniger in Versuchung was Unnötiges zu kaufen.

Wo lässt sich sparen ?

Vieles meiner Ausrüstung ist Second Hand. Auch die Sättel
Vieles meiner Ausrüstung ist Second Hand. Auch die Sättel

Beim Stallbau durch viel Eigenleistung. Ob man Paddockplatten braucht oder den Boden auch anderweitig ausreichend befestigen kann, sei dahingestellt. Dass man für den Winter befestigen muss steht für mich außer Frage. Paddockplatten kosten enorm viel Geld. Ich bin froh, dass wir nur eine relativ kleine Fläche damit befestigt haben weil die Kosten einfach enorm sind dafür. Gerade die INB Platten sind extrem ins Geld gegangen und ich bin nicht restlos begeistert davon. Sparen lässt sich sicher beim Reitequipment. Ob man neue Sättel braucht, oder 20 Schabracken ist fraglich. An was ich nicht spare ist gute Kleidung für schlechtes Wetter. Man ist nunmal 365 Tage im Jahr am Stall, bei gutem wie bei schlechtem Wetter. Ich wäge mittlerweile auch die Sonderbehandlungen (Osteo, Physio, Sattler) sehr gut ab, ob es wirklich Sinn macht. Wenn ja müssen unbedingt Profis ran. Im Grunde habe ich in den letzten Monaten viel gelernt wie man Muskulatur selber lockern kann. Natürlich muss manchmal wieder der Profi ran, aber zwischenzeitlich kann ich das sehr gut selber auch locker halten und durch das richtige Training und Reiten verspannt die Muskulatur natürlich auch weniger. Bei den Sätteln habe ich mittlerweile gelernt: Wenn man das Gefühl hat alle paar Monate einen Sattler zu brauchen der den Sattel neu anpassen muss dann passt der Sattel einfach nicht und es ist in Summe günstiger sich einen gebrauchten besser passenden Sattel zu beschaffen als jedes halbe Jahr den Sattler zu bezahlen. Soll nicht heißen, dass meine Sättel nicht von Zeit zu Zeit kontrolliert werden, aber ich habe in früheren Jahren schon ein halbes Vermögen für die Anpassung von Sätteln bezahlt die wahrscheinlich nie wirklich aufs Pferd gepasst haben auch wenn es theoretisch so ausgesehen hat als ob sie passen würden. Natürlich braucht es Mut, Zeit und Recherche einen gebrauchten Sattel zu finden der passt. Aber finanziell lohnt sich das ganze Allemal. Laser läuft derzeit sehr zufrieden mit beiden Sätteln. Da haben wir den Springsattel erst vor kurzem gewechselt. Bei Bobby wird auch noch mal ein Wechsel fällig werden. Der aktuelle Sattel ist wahrscheinlich auch nicht die Endlösung.

Viel Geld lässt sich auch damit sparen dass die Pferde möglichst stressfrei sind. Das ist natürlich eine große Herausforderung gerade wenn man relativ sensible Pferde hat. Gerade bei Laser merke ich, dass sie wirklich langsam psychisch stabiler wird. Damit brauche ich auch weniger Magen und Nervenunterstützung. Die Zusatzfuttermitteln gehen ganz schön ins Geld und ich bin froh wenn ich dabei etwas sparen kann. Gänzlich umhin komme ich nicht, aber ich konnte wirklich gut reduzieren und bin guter Dinge, dass das so bleibt.