Ausbildungstagebuch 14
Mit Bobby habe ich mich im letzten halben Jahr sehr intensiv beschäftigt. Es ist auch eines meiner heurigen Jahresziele Bobby noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken um ihn noch besser lesen zu können und ihn wirklich in allen Bereichen weiter zu fördern und es macht mir im Moment wirklich großen Spaß mit ihm zu arbeiten und wir wachsen auch schön langsam gut zusammen.

Ich habe letzten Sommer bis in den Herbst hinein lange gehadert und war enttäuscht, weil es mit den Reitbeteiligungen nicht geklappt hat und weil meine Ponybereiterin fort gezogen ist fürs Studium. Ich hatte immer etwas das Gefühl auf jemanden angewiesen zu sein, der kleiner ist und vielleicht ein paar Kilos weniger auf die Waage bringt um Bobby zu reiten. Zwei Reitbeteiligungsversuche sind gescheitert, aber das motivierte Pony blieb. Ich habe einige Zeit gebraucht bis ich dann richtig in Fahrt gekommen bin mit ihm. Irgendwann bin ich einfach über meinen Schatten gesprungen und habe selber auch angefangen mit ihm mehr Sachen zu tun.
Ich bin einfach auf die abgemähte Wiese mit ihm raus geritten. Warum denn nicht? Einfach nur ein paar Minuten und dann wieder auf den Platz zurück. Und es hat funktioniert. Irgendwann habe ich dann angefangen mehr Stangenarbeit ins Training einzubauen und auch mal ein Kreuzchen. Und es hat funktioniert. Und Stück für Stück haben wir so unsere gemeinsame Komfortzone verlassen und ich habe angefangen ihn zwar kurz, aber dafür ordentlicher zu reiten und zu fördern und was soll ich sagen? Dieses Pony ist ein Traum! Dinge mit denen ich mir mit Laser lange die Zähne ausgebissen habe macht der kleine Mann einfach als wäre da nichts dabei. Vor allem in der Dressurarbeit ist Bobby einfach nur ein Genuss. Er läuft so selbstverständlich all die Basics wo ich mir mit Laser teilweise echt schwer tue. Er macht er das ohne mit der Wimper zu zucken und zeigt mir wie einfach Dressur sein kann. Und da stehen wir jetzt im Moment. Wir arbeiten daran unsere gemeinsame Komfortzone zu verlassen. Es ist nicht einfach mit einem Jungpferd alleine da zu stehen, aber bei Laser habe ich auch vieles alleine geschafft. Somit brauchts wohl einfach nur etwas Motivation und Mut um Dinge durchzuziehen und ich muss mich vom Gedanken verabschieden, dass ich ihn nicht reiten kann, weil ich nicht die passende Körpergröße für ihn habe.
Mir ist im Moment sehr wichtig Bobbys Komfortzone zu erweitern um unser gegenseitiges Vertrauen zu stärken. Mit Bobby muss ich mir eben erst vieles erarbeiten was mit Laser mittlerweile schon so selbstverständlich geworden ist. Mit Laser an seiner Seite läuft er überall selbstbewusst hin. Ohne Laser sieht die Sache ganz anders aus, da ist der kleine Mann ein Angsthase, obwohl wir mittlerweile Dinge schaffen, die ich ihm vor ein paar Wochen nicht zugetraut hätte; wie alleine auf die Wiese vorm Haus zu gehen ohne Sichtkontakt zum Stall und uns mal ein paar Meter vom Stall entfernen. Mein Ziel wäre es in nächster Zeit sein Selbstvertrauen und seine Selbstsicherheit genau mit solchen Dingen zu stärken. Ich hatte ihn letztens auch schon bei meiner Trainerin mit. Da bin ich einfach mit beiden Pferden los gezogen und habe beide Pferde geritten. Mit Bobby gab es eine kurze Springgymnastikeinheit, mit Laser eine Dressureinheit. Während ich Bobby geritten bin musste Laser am Hänger warten mit Sichtkontakt zum Reitplatz, während ich Laser geritten bin sollte Bobby im Hänger warten mit Sichtkontakt. Das hat nicht funktioniert, also haben wir den kleinen Mann am Hänger draußen festgebunden und dann hat es funktioniert. Das sind alles Dinge, die er erst lernen muss. Schließlich war er bislang kaum mit unterwegs. Und wenn, dann waren wir immer zu zweit. Es ist auch für mich ein gutes Learning wie ich alleine beide Pferde handeln kann. Es wäre nämlich auch schön irgendwann mal mit beiden Pferden auswärts zu fahren um ausreiten zu gehen, dann wäre Bobby als Handpferd dabei. Ich möchte demnächst auch mal wieder auf die Vereinsanlage fahren mit ihm. Der Plan wäre, diesmal Laser zu Hause zu lassen und nur ihn mitzunehmen für eine kurze Einheit. Auch das wird denke ich funktionieren. Da bin ich mir mittlerweile sehr sicher. Unser Vertrauensverhältnis ist sicher noch ausbaufähig. Da merkt man dann erst wieder welch langer Weg es eigentlich ist, bis man ein Verlasspferd, so wie es Laser mittlerweile in Großen und Ganzen für mich geworden ist, geschaffen hat. Bobby ist trotzdem nicht mein Hauptreitpferd und soll es auch nie werden, dafür ist er einfach zu klein für mich und dennoch bietet er sich wirklich toll an und es wäre schade ihn nicht ein bißchen im Rahmen meiner Möglichkeiten zu fördern. Ich habe auch das Gefühl, dass es ihm im Moment unglaublich gut tut, dass nur ich mit ihm arbeite. Derzeit sind maximal meine Nichten ab und zu mit an Bord aber sonst niemand. Und das soll im Moment auch so bleiben.
Insgesamt ist er mittlerweile schon viel ruhiger und ausgeglichener geworden. Er wird auch langsam erwachsen habe ich das Gefühl. Auch Laser und er harmonieren im Moment wirklich gut, was gerade in den Anfangszeiten unseres eigenen Stalles nicht immer so der Fall war, da gabs schon immer wieder mal kleinere Zankereien. Er war anfangs sehr futterneidisch. Das hat sich mittlerweile gut gelegt und auch ein Tinker macht seine Fresspausen. Im Gegenteil Bobby ist eigentlich derjenige der sich immer auf die Suche macht nach Leckstein, Knabberästen und sonstigen alternativen Futterquellen. Er ist da sehr neugierig und leicht zu beschäftigen. Es ist schön zu sehen wie er sich entwickelt und wie auch er immer mehr aus sich herauswächst.



