Vier Jahre Selbstversorger- Was ich gelernt habe
Seit etwas mehr als 4 Jahren bewirtschafte ich nun zu Hause meinen eigenen Pferdestall. Ich sehe meine beiden Pferde somit mehrmals am Tag und kann das Meiste so gestalten wie es für mich und die Pferde optimal ist. Das ist einerseits wunderbar, anderseits kann einem das Ganze manchmal auch fast etwas zur Verzweiflung bringen. Ich habe festgestellt dass es unglaublich Komplex ist einen eigenen Stall zu führen. Es geht nicht nur um das Wohl der Pferde, was ohnehin schon kompliziert genug ist, sondern eben auch um Grünlandwirtschaft, damit man gutes Heu heim fährt und damit die Weiden in Schuss bleiben. Nebenbei will der ganze Bereich rund um den Stall insgesamt gewartet und gepflegt werden. Es geht immer mal was kaputt was repariert oder erneuert werden will.

Mit Misten alleine ist es nicht getan

Es ist nicht die Routinestallarbeit die für mich anstrengend ist. Nein, eigentlich viel mehr das ganze Drumherum. Das Leben mit den Gegebenheit, die man meist nicht ändern kann finde ich sehr herausfordernd. Ich bin zum Beispiel extrem dem Wetter und Klima ausgesetzt. Wer sein Heu selber macht und einen Winter seine Pferde in einem Offenstall selber versorgt hat, der weiß wovon ich spreche. Während man sich in einem Pensionsstall im Normalfall keine Gedanken darüber machen muss wo das Futter her kommt und in vielen Ställen auch im Winter irgendwo einen halbwegs erträglichen Bereich hat wo man sein Pferd direkt am Stall trainieren kann, der kennt solche Sorgen nicht. Ich möchte nicht schimpfen, denn es ist ein großes Privileg alle Entscheidungen über Haltung und Fütterung selber in der Hand zu haben. Aber es hat nicht nur Vorteile. Bei minus 10 Grad oder wochenlangem Dauerregen bedauere ich es durchaus dass ich keine geschlossene Stallgasse und keine Reithalle am Stall habe.
Ich habe auch oft das Gefühl, dass ich ordentlich angehängt bin, obwohl ich schon auch zwischendurch wieder mal ein paar Tage wegfahren kann, wenn ich das möchte. Dennoch ist es gerade jetzt in der Übergangszeit, also im Herbst und auch im Frühjahr so, dass sehr viele Kleinigkeiten jeden Tag entschieden werden müssen. Braucht es vielleicht schon eine Decke? Kann ich die Pferde bei Regen auf der Wiese lassen oder regnet es so viel, dass der Boden Schaden nimmt. Wie lange dauert es bis es wieder trocknet bei den doch etwas gemässigteren Temperaturen. Bin ich zu Hause an Regentagen um notfalls die Pferde von der Wiese holen zu können wenn es denn sein muss. Soll ich bei Trittschäden die entstanden sind gleich noch einsäen usw. Also gerade das Weidemanagement im Frühjahr und im Herbst wenn das Wetter nicht mehr stabil ist, ist für mich immer eine große Herausforderung und ein fast täglicher Nervenkitzel. Mein Wetterapp ist in diesen Zeiten mein ständiger Begleiter obwohl es auch oft mehr an Kaffeesud lesen erinnert.
Auch nach 4 Jahren ist noch nicht alles Routine

Ich muss für meine Teil sagen, dass ich auch nach 4 Jahren noch nicht das Gefühl habe es wäre alles Routine. Die tägliche Stallarbeit ist natürlich schon längst Routine. Aber das ganze Management erfordert immer wieder Anpassungen und Lernprozesse. Heuer haben wir sehr junges und gehaltvolles Heu geerntet, weil wir den Schnittzeitpunkt sehr früh gewählt haben, weil da einfach das perfekte Wetter war und man nie weiß ob es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal so eine stabile Phase gibt. Heuer hätte es die gegeben, wobei es zum idealen Erntezeitpunktes nicht schön war. Das waren die einzigen 10 Tage in denen es heuer im Sommer nass war. Somit hätten wir wenn wir gewartet hätten, wieder sehr altständiges Heu bekommen dass für mich auch nicht ideal ist, weil es sehr leicht verpilzt. So ein gehaltsvolles Heu wie heuer hatte ich allerdings auch noch nie. Da muss ich auch erst schauen wie ich damit umgehen. Ich habe zum Glück noch ein paar Ballen aus dem Vorjahr und Ballen die heuer etwas später geerntet wurden somit kann ich im Moment auch das Heu mischen, was gut ist. Dennoch werden die alten und späten Ballen irgendwann verfüttert sein und dann bleibt das junge Heu über. Ob das alleinig funktionieren wird? Das weiß ich noch nicht. Das wird die Fragestellung und das Experiment dass ich diesen Winter vor mir habe. Was ich gelernt habe in diesen vier Jahren ist, dass es immer wieder irgendeine neue Herausforderung gibt, die es zu meistern gilt. Man denkt schön langsam kann nichts mehr kommen was man nicht schon gehabt hätte. Aber es treten immer wieder Situationen auf die wir so noch nie hatten. Heuer im Winter hat ein Eisregen unseren gesamten Hof und auch den Pferdebereich für einige Tage in einen Eislaufplatz verwandelt. Jetzt im Sommer hat die enorme Trockenheit den Wiesen, Weiden und anderen Feldfrüchten ordentlich zugesetzt. Wir hatten heuer fast 90% weniger Niederschläge in den Sommermonaten als im Durchschnitt. Damit einher ging auch eine geringere Heuernte. Zum Glück haben wir noch Reserve aus dem Vorjahr und konnten bei einem Nachbar noch einige Ballen ab Feld kaufen. Meine Weideparzellen waren stark mitgenommen durch die Trockenheit. Eine Parzelle musste nahezu komplett neu eingesäht werden. Sowas hatte ich die letzten vier Jahre auch noch nie. Somit erfordert die Führung eines eigenen Stalles einen ständigen Lernprozess. Kaum hat man eine schwierige Situation gemeistert kommt die nächste Begebenheit daher und man muss sich gefühlt ständig wieder mit neuen Dingen auseinander setzen und ständig sein Wissen in diversen Bereichen aufbessern.
Je mehr man weiß umso schwieriger wird es
Ich habe in den letzten vier Jahren unglaublich viel gelernt und viele Erfahrungen gemacht. Dennoch wird es nicht einfacher. Je mehr man weiß, umso mehr macht man sich Gedanken ob das was man tut auch alles seine Richtigkeit hat. Jede größere Entscheidung und Änderung die ich am Stall treffe überdenke ich mehrfach. Das kostet oft ganz schön viel Energie weil ich wahrscheinlich oft zu viel denke und mir zu viele Sorgen mache. Das sind dann wieder die Zeiten wo ich mich manchmal ein kleines bißchen überfordert fühle. Nicht falsch verstehen, es ist unglaublich toll die Pferde daheim zu haben aber manchmal habe ich das Gefühl, dass mir alles etwas viel genug wird. Vor allem wenn rund herum auch viel zu tun ist, dann hat man schnell das Gefühl man hat nicht alles im Griff. Und es gibt einfach Dinge die man zeitweise nicht im Griff hat weil es so viele Einflussfaktoren gibt auf die man wirklich keinen Einfluss hat, wie z.B das Wetter. Das muss man dann auch ein Stück weit akzeptieren, dass man zwar versucht hat das Beste zu machen und dennoch ist das Ergebnis nicht so wie man es sich vorgestellt hat, weil es höhere Umstände negativ beeinflusst haben. Nicht so einfach das zu akzeptieren, wenn man ein Kontrollfreak ist und man sich dann immer sofort ausmahlt was das jetzt für negative Konsequenzen haben könnte, dass es nicht so ist wie ich es gerne hätte.
Ein eigener Stall macht viel mehr Arbeit als man denkt

Und das ist auch was was ich in vier Jahren gelernt habe. Es ist viel Arbeit einen eigenen Stall zu betreiben und wenn auch nur für die eigenen Pferde. Und es lohnt sich durchaus die tägliche Stallarbeit so einfach wie möglich und so zeiteffizient wie möglich zu gestalten, vor allem dann, wenn man das Ganze nicht hauptberuflich macht. Wenn ich jeden Tag drei Stunden brauche um meine zwei Pferde zu versorgen dann lande ich bald im Burn Out. Diese Zeitkapazitäten habe ich gar nicht, geschweige denn das ich dann nicht mehr zu dem Aspekt des Ganzen komme für den ich die ganze Arbeit mache. Und das ist bei mir schon, dass Beschäftigen mit den Pferden selber. Das Reiten, das Longieren, die Bodenarbeit. Und solange meine Pferde fit und im besten Alter sind möchte ich auch was davon haben. Irgendwann werden sie älter dann ist die aktive Zeit ohnehin vorbei. Was man auch mitberücksichtigen muss, dass Stallarbeit manchmal schon oft auch körperlich harte Arbeit ist. Man wird nicht jünger mit den Jahren. Einen Heuballen ohne Gerät irgendwo herumzuwälzen ist auf Dauer nicht tragbar. Daher kann ich nur empfehlen sich wirklich gut zu überlegen ob man einen eigenen Stall bewirtschaften will und auch kann. Eine kurze Zeit lang geht vieles und macht auch Spaß. Wenn dann die Jahre vergehen kommt man manchmal zur Einsicht, dass es einfach Arbeiten gibt die anstrengend sind und auf Dauer daher nicht tragbar sind. Daher kann ich nur empfehlen auch entsprechendes Gerät zur Seite zu haben dass einem das Leben erleichtert und auch Unterstützung wenn man mal ausfällt oder eben ein paar Tage weg fährt. Je einfacher der Stall zu bewirtschaften, umso leichter findet man Aushilfen und Unterstützung. Im Dunkeln bei Regen mit der Stirnlampe aus irgendeiner versieften Pampe Pferdeäpfel rauszumisten ist nicht jedermanns Sache.
Nach diesen doch etwas kritischen Zeilen möchte ich trotzdem anmerken, dass ich sehr zufrieden bin mit der Entscheidung Laser vor vier Jahren nach Hause zu holen und Bobby aufzunehmen. Es bringt einem noch viel näher und intensiver ans Pferd als wenn man nur ein paar wenige Stunde am Tag bei ihnen verbringt, aber es ist schon eine sehr weitreichende Entscheidung. Mehrwöchige Urlaube und Weltreisen schließen sich dabei eher aus. Zu viel Freizeit hat man in der Regel mit einem eigenen Stall auch nicht und eine ordentliche Investition steckt meistens auch dahinter wenn man alles etwas ordentlich haben will. Daher sollte die Entscheidung schon gut durchdacht sein und man muss nicht jedes Dreckloch ohne fliessend Wasser und Strom zum Pferdestall umfungieren. Ein Mindestmaß an Komfort und Zivilisation sollte schon gegeben sein, ansonsten wird das Ganze vielleicht wirklich zum Alptraum. Es gibt so schon genug Herausforderungen die man täglich meistern muss, da sollte zumindest die Grundversorgung der Pferde leicht und schnell zu bewältigen sein.
