Weiden sanieren - wie?
Der heurige Sommer war so trocken wie ich es noch nie erlebt habe. Wir haben massive Schäden sowohl auf unseren Heu und Silagewiesen, sowie auch auf den Pferdeweiden weil viele Gräser die enorme Trockenheit nicht überlebt haben und abgestorben sind. Ich habe daher im Moment fast nichts stehen auf meinen Weiden weil die Gräser die den Ertrag bilden so gut wie weg sind.


Bestandsaufnahme - Was ist noch da?
Nur mehr ein paar wenige Arten, hauptsächlich Kräuter die tiefer wurzeln und so länger an Wasser gekommen sind, und der Rotklee, sowie etwas Luzerne und das Knaulgras konnten der Trockenheit zumindest so halbwegs trotzen. Fast alles andere ist tot. Es sind daher große Lücken in der Narbe entstanden, die jetzt von Unkräutern und unerwünschten Gräsern bevölkert werden. Daher ist es höchste Zeit die Wiesen nach und nach zu sanieren.

Sanierung der Bestände- Wann und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?
Der beste Zeitpunkt Grünland zu sanieren ist jetzt im Spätsommer und Frühherbst weil da bereits wieder Taubildung stattfindet und auch die Wahrscheinlichkeit für regelmässige Niederschläge höher ist als im Sommer. Die Nachsaat braucht kontinuierlich kleine Mengen an Wasser. Außerdem ist der Konkurrenzdruck des alten Pflanzenbestandes nicht mehr so hoch, weil er im Spätsommer und Frühherbst nicht mehr so schnell aufwächst als wie im Frühjahr. Das ist wichtig weil die Nachsaat außer Wasser auch Licht braucht um wachsen zu können.
Damit die ganze Arbeit keine vergebene Liebesmühe ist, müssen einige Dinge beachtet werden. Nur Saatgut wahllose auszustreuen bringt kaum Erfolg. Man muss auch überlegen welche Parzellen man wann macht. Hat man die Nachsaat angelegt, dürfen die Pferde ein paar Wochen nicht auf die Fläche, dh. Man kann eigentlich nicht alle Flächen gleichzeitig machen. Außer man beendet danach die Weidesaison.
Weide sanieren- Welche Schritte machen?
- Weide auf der nachgesät werden soll bewusst sehr kurz abfressen lassen.
- Achte auf das passende Wetter. Am besten kurz vor einer Regenperiode im Spätsommer oder Frühherbst die Nachsaat planen. Taubildung sollte gegeben sein.
- Die Nachsaat muss auf die Erde kommen. Wenn die Lücken groß genug sind, also genug Erde vorhanden ist, wo das Saatgut landen kann, dann muss man eventuell nichts machen, nur das Saatgut auf die Erde aufbringen und wenn nötig festtreten lassen von den Pferden oder anwalzen. Mehr Chance, dass das Ganze funktioniert hat man allerdings wenn man den Boden oberflächlich etwas bearbeitet. Auf unserer kleinen Fläche haben wir das mit einem einfachen Rasenvertikutierer mit einer sehr groben Walze gemacht. Der hat den ganzen abgestorbenen Pflanzenfilz entfernt und die ersten 2-3 cm Boden etwas aufgelockert. Somit ist ein tolles Saatbett entstanden für die Nachsaat. Auf größeren Flächen muss man das natürlich mit Gerät machen. Am besten mit Traktor und Nachsaatstriegel. So wie wir das auf unseren Heu - und Silagewiesen gemacht haben. Wir überlegen uns für die Zukunft einen Rasenmähmulcher anzuschaffen mit dem wir die Weidepflege meiner doch eher kleinen Weideparzellen machen werden und dann eben auch die Nachsaatvorbereitung.
- Das passende Saatgut auf die Erde ausbringen. Bei großen Flächen maschinell bei kleinen Flächen händisch. Man kann es händisch streuen, es gibt im Baumarkt auch händische Kleinsamenstreuer die man dafür verwenden kann.
- Das Saatgut am besten anwalzen oder von den Pferden in den Boden treten lassen.
- Auf Regen und Tau hoffen
- Unkraut in den ersten Wochen nach der Nachsaat im Blick halten und bekämpfen/abmähen.
- Pferde die ersten Wochen nicht auf die Nachsaat lassen. Erst wenn der Bestand wieder Bierflaschenhöhe hat und der Boden trocken ist wieder beweiden lassen. Wenn möglich nicht zu tief. Anstatt des Weidens muss man bei ungünstigen Bodenverhältnissen (Nass) einen Reinigungsschnitt mit dem Mähwerk oder einem hocheingestellten Mulcher machen.
- Erst nach dem Reinigunsschnitt wieder düngen
Das geeignete Saatgut
Es gibt sehr viel am Markt. Prinzipiell ist es ratsam Saatgut von lokalen Saatgutvermehrern zu verwenden, weil z.B. eine Nachsaatmischung aus Norddeutschland in Österreich auf 1000 m Seehöhe nicht funktionieren wird, weil die Pflanzenarten die dort drinnen sind nicht an das alpine Klima angepasst sind. Daher empfiehlt es sich immer lokal was zu besorgen.
Was sollte in so einer Nachsaatmischung drinnen sein?
Es sollte auf alle Fälle explizit Saatgut für eine Weide sein, denn auf Weiden braucht es einen höheren Anteil an Untergräsern als für eine Mähwiese.
Grob gesagt sollte der Anteil der Gräser bei mind. 70 Prozent liegen (davon mind. 30% Untergräser). Fruktanarme Gräser sind auf Pferdeweiden natürlich von Vorteil, gänzlich weidelgrasfrei wird man Weiden aber kaum bekommen, weil gerade das deutsche Weidelgras ein sehr wertvolles Untergras ist und sehr konkurrenzstark ist und daher immer im Bestand sein wird. Es gibt kaum Weidenachsaatmischungen wo deutsches Weidelgras nicht drinnen ist. Man kann darauf achten, dass der Anteil nicht zu hoch ist und das neben dem deutschen Weidelgras auch noch Wiesenrispe und rotes Straussgras als Untergräser in der Mischung enthalten sind. Allerdings sind die zwei Arten sehr konkurrenzschwach und brauchen wirklich sehr optimale Bedingungen für die Keimung (viel Licht und Wasser). 20% Leguminosen sollten auch enthalten sein und ein kleiner Anteil Kräuter kann enthalten sein, muss aber nicht unbedingt, da wir auf den Weiden meist ohnehin genug Kräuter drinnen haben weil diese automatisch kommen dort wo Gras ausfällt.
